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Comau CEO Interview

Die neue Ära der Automatisierung

Mauro Fenzi, Vorstandsvorsitzender von Comau, erläutert die Grundsätze einer neuen Ära der Automatisierung: offen, intuitiv, anwenderfreundlich, basierend auf einer Mensch-Roboter-Kooperation und kontinuierlicher Innovation. Es ist ein Ansatz, der ein Umdenken bezüglich der industriellen Automatisierung bewirkt, mit der sich Comau seit mehreren Jahren beschäftigt.

Mauro Fenzi

Erzählen Sie uns mehr über die neuen Grenzen der Automatisierung im Innovationsplan von Comau.

In den vergangenen Jahren haben wir einen Innovationsplan entwickelt, mit dem wir das Konzept der industriellen Automatisierung an sich verändern und hin zu einer offenen Automatisierung transformieren wollen. Das bedeutet, die Automatisierung einfacher und leichter zugänglich zu machen. Es bedeutet aber auch, die Schulungszeit für Bediener zu verkürzen und, vor allem, eine bessere Kapitalrendite in jedem Sektor, in dem die Fertigung eine wesentliche Rolle spielt.

Mit dem Motto „Keep it simple“ haben wir uns selbst herausgefordert und damit im Wesentlichen die Grundsätze der offenen Automatisierung definiert. Wir haben es zunächst auf unsere eigenen Roboter angewandt, und indem wir den Benutzer den Systemen näher brachten, haben wir die Bedienung einfacher und intuitiver gemacht.
Eine effiziente Automatisierung darf komplex in der Erstellung sein, muss aber intuitiv und einfach zu erlernen sein.
Unser Ansatz bei der Produktinnovation ist dem technologischen Ansatz hinter erfolgreichen Produkten wie Smartphones sehr ähnlich. Diese Produkte sind intern zwangsläufig kompliziert und anspruchsvoll, haben aber eine Mensch-Maschine-Schnittstelle, die sowohl anwenderfreundlich als auch auf die Bedürfnisse des Benutzers zugeschnitten ist. Kurz gesagt: es ist komplex für den, der es entwickelt, aber einfach für den, der es benutzt.

Mittlerweile glauben wir fest an die Innovation des Geschäftsmodells und bieten uns selbst als Partner für Bildungsmaßnahmen auf dem Gebiet der industriellen Automatisierung an. Unser Ziel ist dabei, zur Entwicklung einer Kultur der Automatisierung in anderen Unternehmen beizutragen, ungeachtet dessen, ob diese zu unseren Kunden zählen oder nicht.

Welche Rolle spielen Startup-Unternehmen in Bezug auf Ihren Strategie- und Innovationsplan?

​Wir verfolgen viele Startups mit großem Interesse und teilen ihr Engagement hinsichtlich Innovation und Prototypenentwicklung. Ein wichtiges Resultat dieser Zusammenarbeit mit einigen Startups stellt die Produktion der ersten Reihe innovativerer Produkte und Technologien dar. Auf diese Weise kann Comau die praktische Machbarkeit eines Projekts beurteilen.
Unsere Mitarbeiter haben täglich Kontakt mit Startup-Unternehmen überall auf der Welt – von San Diego bis Italien – und bezeugen damit, wie sich Comau an die sich ändernde Marktsituation anpasst. Oft benutze ich selbst Skype, um Videokonferenzen mit „Kids“ auf der anderen Seite des Globus abzuhalten, die auf eine revolutionäre Weise arbeiten und mit sehr geringem Budget und engem Zeitrahmen neue Produkte entwickeln.

Die Startup-Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, bilden einen Teil unsere Innovationsnetzwerks. Und diese Zusammenarbeit ist gegenseitig erfolgreich, weil unsere Kultur der Automatisierung auf unsere Mitarbeiter ausgerichtet ist – die ja, wie ich bei vielen Gelegenheiten erwähnt habe, unser größtes Kapital sind – sowie unsere Offenheit und Transparenz.

Welche Branchen haben Sie im Fokus?

Seit mehr als vier Jahrzehnten haben unsere Lösungen Einfluss auf die Art und Weise der Fertigung in unterschiedlichsten Bereichen, einschließlich Automobilbau, Luftfahrt, Petrochemie, Militär und Energie, um nur einige zu nennen. Und in jedem dieser Bereiche verfolgen wir konsequent einen langfristigen, strategischen Innovationsansatz.
Wir verfolgen genau die Evolution des Produkts, das der Kunde auf den Markt bringen will, und entwickeln dann, basierend auf den neuen technologischen Trends in diesem Produktumfeld, Automatisierungslösungen.
Lassen Sie mich ein typisches Beispiel für den Automobilbau nennen. Heutzutage erfindet die Automobilindustrie ihre Produkte neu. Die Hersteller entwickeln zunehmend komplexe Lösungen, die neue Technologien und Leichtbauwerkstoffe erfordern. Infolgedessen wird die Automatisierung zu einem Schlüsselfaktor, um sicherzustellen, dass diese neue Werkstoffe korrekt verwendet werden.

Andere Bereiche jedoch, wie die Luftfahrtindustrie, energiebezogene Branchen (Elektromotoren, Batterien und entsprechende Komponenten), die Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie andere allgemeine Industrien, konzentrieren sich zunehmend darauf, wie Automatisierung die Qualität verbessern, die Kosten senken, die Produktivität steigern und, kurz gesagt, helfen kann, ihre jeweilige Wettbewerbsposition zu verbessern.

Welchen Ansatz verfolgt Comau bei der Zusammenarbeit mit Kunden an neuen Projekten oder in neuen Branchen?

Wir konzipieren und entwickeln Produkte, die modular, flexibel und höchst konfigurierbar sind und die sich an jeden Kundenbedarf individuell anpassen lassen. So können wir Herstellern jeder Größenordnung und in nahezu allen Industriezweigen eine Lösung anbieten, die sowohl ihre gemeinsamen Anforderungen erfüllt als auch ihren individuellen Erfordernissen entspricht. Mit diesen Konzepten einer fortschrittlichen Automatisierungsanwendung können unsere Kunden neue Geschäftsmodelle entwickeln und ihre Markteinführungszeit verkürzen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Arbeit, die unser Geschäftsbereich Powertrain Machining and Assembly verrichtet. Dessen Produkte sind so konzipiert, dass sie zu 70% in ihrer Basisversion konfigurierbar sind und zu 20% an die speziellen Bedürfnisse des Kunden sowie zu 10% an das jeweilige Projekt angepasst werden können. Das bedeutet, dass sich unsere Produkte problemlos an einzigartige Anforderungen oder Produktionsbeschränkungen anpassen lassen und es dem Kunden gleichzeitig ermöglichen, Markteinführungszeiten zu verkürzen und ein Höchstmaß an Produktivität und langfristiger Präzision sicherzustellen.

Auf der anderen Seite investieren wir bei Robotics intensiv in die Entwicklung intelligenter Lösungen, die die hohe Produktivität, Qualität und Präzision der robotergestützten industriellen Automatisierung mit den flexiblen, kundenbezogenen Produktionsmethoden kleiner und mittelständischer Unternehmen vereinen. Dies ermöglicht es uns Prozesse zu automatisieren, bei denen das noch vor wenigen Jahren als unmöglich oder unrealistisch erschien. Hierbei beziehe ich mich auf alles, von der Eingangs- und Ausgangslogistik bis hin zu verschiedenen Fertigungsabläufen und sogar die Automatisierung kritischer Prozesse wie Glas, Papier und Frischwaren.

Wir erwähnten erneuerbare Energiequellen. Wie geht Comau mit den neuen Umweltschutzbestimmungen um?

Die neuen ​Umweltschutzbestimmungen haben weit reichenden Einfluss auf die Industrie, obwohl dies in jedem Land anders aussieht.

Genauer gesagt arbeiten wir daran, bestehende industrielle Prozesse und Produktionsanlagen zu optimieren. Auch auf diese Weise können wir den Unternehmen helfen, ihren Energieverbrauch zu senken, effizienter und wettbewerbsfähiger am Markt zu werden und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.

Welches sind die neuen Zielmärkte von Comau was Entwicklungsländer betrifft?

​China ist ein wesentlicher Aspekt unserer Entwicklungsstrategie und spielt eine wichtige Rolle für unser Unternehmen. Wir beschäftigen mehr als 1000 Mitarbeiter an vier Standorten in China (eines davon ist ein Forschungszentrum). In den kommenden drei Jahren werden wir voraussichtlich mehr Roboter in China als im Rest der Welt verkaufen.

Im globalen Maßstab zwingen die immer kürzeren Markteinführungszeiten unsere Kunden dazu, ihre Werke näher am Zielmarkt zu errichten. Folglich müssen wir in der Lage sein, weltweit dieselbe Durchführungskapazität sicherzustellen. Unser weltweites Netzwerk umfasst derzeit 17 Länder und 33 Niederlassungen, und wir haben gelernt, wie man globale Prozesse nicht nur verwaltet, sondern sie auch in die lokale Kultur integriert. Ein erheblicher Teil unserer Beschäftigten ist in Entwicklungsländern tätig, wodurch wir diesen Wachstumsmärkten physisch näher sind als unsere Mitbewerber.

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